Was passiert beim ersten Heilpraktiker-Termin?
- Bahareh Pakravesh
- 12. Jan.
- 3 Min. Lesezeit

Was genau erwartet mich ?
Viele Menschen überlegen lange, bevor sie einen Termin bei einer Heilpraktikerin oder einem Heilpraktiker vereinbaren.
Die häufigste Frage lautet dabei nicht: „Hilft mir das?" ,
sondern: „Was passiert dort eigentlich genau?"
Unsicherheit, falsche Erwartungen oder enttäuschende Erfahrungen im medizinischen System sorgen oft dafür, dass Menschen zögern.
Genau deshalb ist Transparenz so wichtig. Dieser Artikel erklärt ehrlich und Schritt für Schritt, was Sie beim ersten Heilpraktiker-Termin erwartet und auch, was nicht.
Warum dieser erste Termin oft so besonders ist
Der erste Heilpraktiker-Termin unterscheidet sich deutlich von einem klassischen Arztbesuch. Nicht, weil er „besser" ist, sondern weil er anders aufgebaut ist.
Während in der Schulmedizin häufig Zeitdruck herrscht, ist der Ersttermin in der Naturheilkunde bewusst ausführlicher.
Ziel ist es, Zusammenhänge zu erkennen, nicht nur Symptome zu erfassen.
Viele Menschen erleben dabei zum ersten Mal:
dass ihnen wirklich zugehört wird
dass ihre Geschichte wichtig ist
dass Beschwerden in einen größeren Kontext gestellt werden
Das allein kann bereits entlastend wirken, ist aber noch keine Therapie.
Der Ablauf: Schritt für Schritt erklärt
1. Das ausführliche Erstgespräch (Anamnese)
Der größte Teil des ersten Termins besteht aus einem Gespräch, welches ca. 60 bis 120 Minuten dauern kann.
Typische Gesprächsthemen sind:
aktuelle Beschwerden (seit wann, wie stark, in welchem Zusammenhang)
frühere Erkrankungen und Behandlungen
Medikamente und Nahrungsergänzungsmittel
Verdauung, Schlaf, Stress, Energielevel
Ernährung, Bewegung, Lebensstil
familiäre Erkrankungen
emotionale Belastungen
Wichtig zu wissen: Es geht nicht darum, alles „richtig" zu beantworten, sondern darum, Muster zu erkennen.
2. Andere Fragen als gewohnt und warum?
Viele Patienten sind überrascht von Fragen wie:
„Wie schlafen Sie wirklich?"
„Wann fühlen Sie sich besser : morgens oder abends?"
„Gab es belastende Lebensphasen vor Beginn der Symptome?"
Diese Fragen dienen dazu, Regulationssysteme zu verstehen: Nervensystem, Hormone, Verdauung, Immunsystem. Nicht jede Antwort führt sofort zu einer Lösung – aber sie hilft, Fehlannahmen zu vermeiden.
3. Körperliche Untersuchung (nicht immer, aber oft)
Je nach Beschwerdebild kann eine Untersuchung erfolgen:
Blutdruck, Puls
Bauchuntersuchung
Haut, Zunge, Augen
Muskelspannung, Atmung
Wichtig: Heilpraktiker ersetzen keine schulmedizinische Diagnostik, sondern ergänzen sie. Seriöse Heilpraktiker verweisen weiter, wenn etwas medizinisch abgeklärt werden muss.
4. Erste Einschätzung, keine Wunderdiagnose
Am Ende des Termins erfolgt meist:
eine erste Einschätzung, keine endgültige Diagnose
Erklärung möglicher Zusammenhänge
Vorschlag für das weitere Vorgehen
Ganzheitliche Arbeit braucht Zeit.
Was viele falsch erwarten
„Ich bekomme sofort eine Lösung"Ganzheitliche Medizin ist oft ein Prozess, besonders bei chronischen Beschwerden.
„Alle Laborwerte werden ignoriert" Im Gegenteil: Gute Heilpraktiker arbeiten mit vorhandenen Befunden und erklären sie verständlich.
„Es wird nur naturheilkundlich gearbeitet" Seriöse Heilpraktiker erkennen die Grenzen ihrer Arbeit und kooperieren mit Ärzten.
Praktische Informationen
Dauer Ersttermin: meist 60–120 Minuten Kosten: abhängig von Dauer & Region
(oft 100–250 €) Kostenerstattung: eventuell anteilig durch private Versicherungen oder Zusatzversicherungen
Wichtig: Die Kosten sollten vorab transparent besprochen werden.
Wann ein Heilpraktiker-Termin sinnvoll sein kann
bei chronischen Beschwerden ohne klare Ursache
bei Erschöpfung, Stress, Schlafproblemen
bei funktionellen Beschwerden (Verdauung, Haut, Zyklus)
wenn Zusammenhänge gesucht werden
begleitend zur schulmedizinischen Therapie
Wann eher nicht
- bei akuten Notfällen
- bei schweren, unbehandelten Erkrankungen
- wenn schnelle Akuttherapie nötig ist
- wenn klare medizinische Diagnostik bei schweren Erkrankungen noch aussteht.
Merksatz: Ganzheitliche Medizin ist kein Ersatz für Notfallmedizin.
Wie Sie sich vorbereiten können
alte Befunde mitbringen
Medikamentenliste notieren
Symptome ehrlich beobachten
Erwartungen realistisch halten
Sie müssen nichts „leisten". Sie dürfen einfach kommen, wie Sie sind.
Ein Wort zur Ehrlichkeit
Nicht jede Therapie wirkt bei jedem Menschen. Nicht jeder Heilpraktiker passt zu jeder Person.Und nicht jedes Symptom hat eine einfache Ursache.
Gerade diese Ehrlichkeit ist es, die Vertrauen schafft.
Fazit: Was Sie wirklich erwarten dürfen
Der erste Heilpraktiker-Termin ist:
kein Zaubertermin
keine Schnelllösung
kein Ersatz für Schulmedizin
Aber er kann sein:
ein Anfang
ein neuer Ansatz l
eine Ganzheitliche Sicht
ein neuer Blick auf den Körper und seine Symptome
ein Schritt zu mehr Verständnis für den eigenen Körper
Und manchmal ist genau das der wichtigste erste Schritt.



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